Der Taunus ...

04.09.2008

… ist was Besonderes!

Der Taunus ist ein Mittelgebirge mit großer Anziehungskraft, vor allem für die, die nicht in seiner Nähe wohnen. Seit der Römer Tacitus das heutige Friedberg als `castellum in monte tauno` beschrieb, gilt das Gebirge als höchst erstrebenswert. Der Limes durchzog ihn wie eine chinesische Mauer, wichtige Handelsstraßen kreuzten ihn und die warmen Quellen machten das Band zwischen Bad Nauheim und Bad Schwalbach attraktiv für Herrscher, Adel und höhere Stände.

Das Land zwischen Lahn und Main, Rhein und Nidda darf auch auf seine Ahnen stolz sein: Ob Goethe (Frankfurt) oder Nikolaus Otto (Hühnerstraße), die Gebrüder Opel (Rüsselsheim) oder Kleyer (Adler, Frankfurt), Fritz Kleemann (Horex, Bad Homburg) und Schindling (VDO, Frankfurt) – sie trugen Rhein-Main und den Taunus um die Welt. Kein Wunder, dass Ford zwar einen Eifel hatte, aber nur der Taunus wirklich erfolgreich war und man den Hunsrück schnell wieder in der Versenkung verschwinden ließ. Ein VW Harz – undenkbar, wenn es nicht ein Hartz-4-Gang wäre. Ein BMW Alpina schon eher, aber keine Vehikel namens Spessart, Habichtswald, Solling, Schwarzwald oder Rennsteig – es muss schon ein Taunus sein.

Denn spätestens seit dem ersten Internationalen Autorennen 1904 wurde der Taunus mit dem Coupe Gordon Bennett weltberühmt. Und als dieser vorbei war, waren weitere Rennen im Taunus Chefsache: Der Kaiser stiftete seinen Preis und man fuhr rund um den Feldberg, entwickelte zusätzlich die Prinz-Heinrich-Fahrten, die sich aber schnell gen England wandten, und Motorradrennen, bis der erste Weltkrieg der Sache ein Ende setzte.

Der Autor von `Taunusregion und Bad Homburg`, der Bad Homburger Publizist und Chronist Helmuth Bernecker, der den Motorsport im Taunus immer maßgeblich gefördert hat, beginnt sein Kapitel `Vom Gordon-Bennett-Rennen bis zur Rallye Monte Carlo` mit den Worten: `Sollte das ‘Große Buch der Geschichte des deutschen Motorsports’ einmal geschrieben werden, nehmen die Ereignisse, die Bad Homburg und den Taunus als Schauplatz haben, mehrere Kapitel in Anspruch. Denn der Bogen der Ereignisse ist weit gespannt.`

Mitte der zwanziger Jahre begann die Ära eines der berühmtesten Rennen in Deutschland, des Feldbergrennens.

Bis in die dreißiger Jahre führte die Strecke als reine `Bergrennstrecke` vom Start an der Hohemark (Oberursel) zunächst bis zum Sandplacken, dann – nach dem weiteren Ausbau der Straße – in den Jahren 1935/36 sogar bis zum Großen Feldberg. Zu Tausenden kamen die Motorsportbegeisterten zu diesem Bergrennen, um die Elite der Zwei-, Drei- und Vierradfahrer zu sehen und zu bewundern. Bis heute bekannte Rennfahrer wie Bernd Rosemeyer, Hans Stuck, Ernst von Delius sowie Robert Kohlrausch, der Frankfurter Heinz Brendel und der Neu-Isenburger Ferdi Lehder dominierten die vierrädrige Zunft, Heiner Fleischmann, Ewald Kluge, H.P. Müller, Siggi Wünsche und Walfried Winkler sowie der mehrfache Deutsche Meister Friedel Schön aus Frankfurt die der Motorräder.

1936 kam überraschend das Ende dieser Veranstaltung. Schon damals wurde als Grund die hohe Verkehrsdichte angegeben, die eine weitere Sperrung dieser Strecke unmöglich mache. Vielleicht aber war auch der Einfluss der `Infrastrukturmaßnahme Nürburgring` zu groß. So wie heute wieder durch Kurt Beck, musste die Eifel-Strecke wohl schon damals `zwangsbeatmet` werden.

Fritz Schöttner vom MSC Bad Homburg erinnert sich: `1950 gründete sich der ‘Motorsportclub Feldberg’ in Oberreifenberg und hob bereits im Oktober des gleichen Jahres das erste Rennen auf der Feldberg-Rundstrecke aus der Taufe, das im kommenden Jahr in den Terminkalender der OMK (Oberste Motorradsport-Kommision) aufgenommen wurde. Ein Unterfangen, dem damals mehr Skepsis und Kritik als wohlwollende Anerkennung entgegengebracht wurde. Selbst die Fachwelt war sich nicht einig, wie sie sich zu dem neuen Kurs stellen sollte – der Feldberg brachte zu viel Neues auf einmal und so etwas ist heute noch gewöhnungsbedürftig.`

In jener Zeit teilte sich der Motorsport in zwei Lager: Auf der einen Seite waren die Betreiber der traditionellen deutschen Rennstrecken wie Nürburgring, Hockenheim- und Sachsenring, auf der anderen die nur für das jeweilige Wochenende eingerichteten Sperrstrecken Solitude, Eilenriede bei Hannover, Schleizer Dreieck oder Schotten.

Alle versuchten, den Anforderungen an Sicherheit und Technik gerecht zu werden.

Der Hockenheimring wartete mit immer schnelleren Rundenzeiten auf und das Rekordoval des Grenzlandrings bei Mönchengladbach schien für kurze Zeit das neu entdeckte Nonplusultra zu sein. Da tauchte mit dem Feldbergring eine Rennstrecke auf, die der bisherigen Entwicklung entgegen lief und sogar als Rückschritt gesehen werden konnte.

Dazu Fritz Schöttner: `In 37 Kurven zieht sich das 11,756 km lange Asphaltband vom Start und Ziel am Haus Brenner hinab nach Oberreifenberg, von da in einer gefährlichen Linksabbiegung und anschließend Schlängelkurven zur Weilquelle, dem tiefsten Punkt des Kurses, führt auf Steigungen mit bis zu 14 % über die Spitzkehre am Roten Kreuz hinauf zum Kleinen Feldberg und dem berüchtigten, 275 Meter über der Weilquelle liegenden ‚Sprungbrett’, einem Straßenübergang, an dem Fahrer und Maschine sich sekundenlang vom Boden lösen und fünf bis sechs Meter durch die Luft schießen, und dann wieder in langen Schlängelkurven, vorbei am Teufelsquartier, abwärts brausen, fast im Schritttempo um die Haarnadelkurve am Sandplacken biegen und auf der langen Geraden der Siegfriedstraße noch einmal voll aufdrehen, dem Start und Ziel entgegen` (Auszug aus dem Programm des Feldbergrennens 1952 – Feldbergring, die schwerste deutsche Rennstrecke – von Karl Hermann Zobel).

Europameister Schorsch Meier (BMW) erklärte: `Diesen Kurs kann man nicht kennen lernen, man weiß überhaupt nicht, wo es jetzt eigentlich hingeht`. Als Sieger der Tourist Trophy auf der Isle of Man wusste er wohl, wovon er sprach. Das brachte dem Feldbergrennen, Deutschlands höchster Gebirgs-Rundrennstrecke, als die der neue Kurs bezeichnet wurde, auch die inoffizielle Bezeichnung `Deutsche TT` ein. Karl Hermann Zobel am Schluss seiner Ausführungen: `Der Feldbergring wird das werden, was die Isle of Man im Ausland ist, das Mekka aller Motorsportfans`. Doch es sollte anders kommen.

Waren es im ersten Veranstaltungsjahr 30.000 Zuschauer, die im Oktober Regen, Nebel und Kälte trotzten, kamen am dritten Maiwochenende des Jahres 1952 bereits 100.000 Zuschauer an die Strecke. 1953 und 1954 sollen es sogar 150.000 Rennbegeisterte gewesen sein. Am 18. Juli 1954 standen die Menschen wieder an der Strecke, aber es sollte das letzte Rennen `Rund um den Feldberg` sein. Danach wurden in Deutschland keine Rennen mehr genehmigt, die durch geschlossene Ortschaften führten.

Seitdem liegt der Reiz der Taunusstraßen unter den Rädern der Motorradfahrer und der Oldtimerfreunde, der Weg von Oberursel über die Hohe Mark zum Sandplacken ist immer noch eine Herausforderung. Wer etwa am Heiligabend mittags dort die scharfe Links zum Feldberg nimmt, wird auf dem kahlen Plateau in 880 m Höhe auf ganze Rudel von Motorrädern treffen, deren wichtigster Weihnachtswunsch alljährlich das Erklimmen des Taunus ist.

Folgerichtig kommt die neue Taunus-Trophy dem Wunsch jener Oldtimerfahrer entgegen, die anspruchsvolle Wertungsprüfungen abseits vom Alltagsverkehr fahren wollen.

Der `berühmte` Taunus ist dafür immer noch bestens geeignet.

Autor des Artikels: Johannes Hübner


! (CENTRAL COURIR, u. a. zur Taunus Trophy)!

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